Im Schülertheater erwartet man oft etwas Lustiges, Kurzweiliges. Mit dieser Erwartung hat der GK Literatur unter Leitung von Herrn Rebschloe in diesem Jahr gebrochen. Das Stück "Hotel zu den zwei Welten" von Eric Emanuel Schmitt agiert im Original an der Grenze von Komik und Ernst. Während die Komik aus der Interaktion der doch recht unterschiedlichen und stets einigermaßen eigenwilligen Charaktere folgt, gebietet das Setting einen gewissen Ernst. Denn die Gäste im "Hotel zu den zwei Welten" sind nicht im Urlaub, sondern liegen im Koma - oder im OP-Saal. Kurz: Sie bewegen sich auf der Schwelle zwischen Leben und Tod. Im "Hotel zu den zwei Welten" warten sie ab, wie es weiter geht. Am Ende besteigen sie den Aufzug, der sie aus dem Hotel fortbringt. Wohin? Das erfahren sie wohl erst, wenn sie wieder aussteigen...
Die Inszenierung des GK Literatur blieb dieser Grundidee treu, erweiterte aber das Personal des Stücks um einige selbst ausgedachte Figuren. So erhält die Präsidentin (Nika von Puttkamer) einen beflissenen Mitstreiter (Robin Ekk) an die Seite, der sie gegen die von Skepsis bis offener Abneigung reichenden Reaktionen der anderen Gäste im Hotel unterstützt. Auch ein Pfarrer (Grigori Isakov) reichert das Personal an und verkörpert die Zweifel darüber, was nach dem Leben passieren mag, pointiert. Ihm entgegen steht Fatime (Emma Johann), eine aus 'Les Miserables' entlehne Figur des armen Mädchens, dem das Leben übel mitgespielt hat, das aber trotzdem um jeden Preis zurück will - und sogar im "Hotel zu den zwei Welten" für soziale Gerechtigkeit und die Revolution eintritt. Spätestens mit dem Auftreten Lauras (Veranika Weber) kreist viel im Stück um die junge Frau, die in der wirklichen Welt so krank ist, dass sie nicht zum ersten Mal im Hotel ist. Die Magierin (Grace Tavella) freut sich, dass Laura zurück ist, und ist auch Julien Portal (Conner Melcher), einem Sportjournalisten in der Midlife-Crisis, gegenüber so zugetan, dass sie dessen Annäherungsversuche an Laura unterstützt. Ganz anders als Marie (Lea Rauer), die unter vollem Einsatz ihres Staubwedels versucht, Julien von Laura fern zu halten, weil sie selbst eher schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hat. Unter dem wachsamen Blick von Doktor S (Sophio Laliashvili und Nico Koch), die/der von einer anonymen Person in Weiß (Eric Hübert) hingebungsvoll unterstützt wird, reflektieren die Gäste des Hotels, was das Leben ausmacht. Halten sie - oder Doktor S selbst - es dabei mal nicht zu genau mit der Wahrheit, steht die ungeschminkte Wahrheit (Paul-Lukas Brehm) als Korrektiv bereit.
Während das Stück die Szenerie nur nach und nach aufklärt und dabei die volle Aufmerksamkeit des Publikums fordert, zeigen die Darsteller*innen in ihrem Spiel eine tiefgehende Identifikation mit ihren Figuren, so dass manch einer im Publikum die Rolle als 'auf den Leib geschrieben' empfand. Während die Premiere am Freitag noch bei großer Hitze etwas Anlaufzeit brauchte, wie etwa die Lippische Landeszeitung befand, tauchte das Publikum bei der zweiten Inszenierung am Mittwochabend mit den Darsteller*innen tief in das Hotelgeschehen ein und wurde, wie Herr Tackenberg im Anschluss befand, ungewöhnlich nachdenklich zurückgelassen. Herr Rebschloe zeigte sich indes sehr zufrieden, mit der "in Text und Abläufen nahezu perfekt[en]" Performance des Ensembles.