Es ist früh am Morgen, kurz vor halb acht. In der Aula herrscht noch dieses besondere Durcheinander, das nur kurz vor dem Beginn einer Veranstaltung entsteht. Stimmen hallen durch den Raum, Stühle werden gerückt, irgendwo funktioniert ein Kabel nicht, jemand sucht noch schnell die Präsentation, und vorne stehen keine Lehrkräfte, sondern Schülerinnen und Schüler. Sie begrüßen die Gäste, stimmen letzte Details ab, prüfen das Mikrofon und schauen schließlich auf die Uhr. In einer Minute beginnt ein Projekttag für den achten Jahrgang. Organisiert wurde er nicht von der Schule, sondern von ihnen selbst. Denn was hier stattfindet, ist ein Klimaworkshop. Doch eigentlich ist es auch eine Geschichte darüber, wie Engagement entsteht und was passiert, wenn junge Menschen beschließen, eine Idee nicht nur zu diskutieren, sondern umzusetzen.
„Wenn man ‚Klimatag‘ hört, denkt man vielleicht nicht sofort ‚Ja, man, bester Schultag!‘, sondern erwartet eine eher langweilige Veranstaltung. Vielleicht denkt ihr an lange Vorträge, viele Fakten und daran, dass einem gesagt wird, was man alles falsch macht. Aber heute geht es nicht darum, euch zu belehren oder euch ein schlechtes Gewissen zu machen. Niemand erwartet, dass ihr ab heute alles perfekt macht und die Welt retten wollt. Denn Veränderung beginnt nicht damit, dass jemand perfekt ist. Sie beginnt damit, überhaupt anzufangen. Und am besten nicht allein, sondern zusammen mit anderen. Es geht also um die Frage, wie wir alle in Zukunft leben wollen. Nur weil wir genervt sind, können wir nicht die Augen davor verschließen. Es geht darum, kritisch zu sein, zu widersprechen und auch zu sagen, wenn man etwas nicht versteht oder nicht überzeugt ist. Nur so wird aus Zuhören Nachdenken und aus Informationen eine eigene Haltung. Aber vor allem geht es darum, dass man etwas tun kann. Und gemeinsam macht es sogar Spaß. Es geht um euch.“
Mit diesen Worten begann unser Klimatag.
Der diesjährige Klimaworkshop für den achten Jahrgang war nicht nur ein Projekttag, sondern ein lebendiges Beispiel dafür, was möglich ist, wenn junge Menschen selbst aktiv werden, organisieren, gestalten und gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Denn das Besondere ist: Der gesamte Tag wurde eigenständig von Schülerinnen und Schülern organisiert. Von der ersten Kontaktaufnahme mit Expertinnen und Experten über die Planung der Workshopstruktur bis hin zur Durchführung und Betreuung am Veranstaltungstag selbst lag die Verantwortung beim Schülerteam. Dank der wohlwollenden Haltung und der daraus resultierenden Förderung und Unterstützung unserer Schulleiterin sowie vieler Lehrkräfte, darunter vor allem unsere SV-Lehrerin Julia Höbrink, war und ist es möglich, das Projekt mit derartigem Freiraum und Freude umzusetzen.
Von einem Impuls zur Initiative
Die Ursprünge des Projekts reichen einige Jahre zurück. Damals besuchten ein paar Schüler der heutigen Jahrgangsstufe zwölf freiwillig einen Vortrag zum Thema Klimawandel, der nicht nur informierte, sondern nachwirkte. Doch statt in Resignation zu enden, blieb ein anderer Gedanke zurück: Warum tun wir eigentlich so, als könnten wir nichts ändern? Aus diesem Gedanken entstand letztendlich die Idee, einen eigenen Klimaworkshop für jüngere Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.
Im vergangenen Jahr wurde diese Idee erstmals umgesetzt. Inhaltlich stand neben dem Klimawandel noch das Thema Fake News im Mittelpunkt. Nach einer gemeinsamen Einführung durchlief der Jahrgang klassenintern drei feste Workshops, die jeweils eine Doppelstunde umfassten und für alle Gruppen identisch aufgebaut waren. Zwei externe Experten, Gordana Rammert und Clemens Simmer, vermittelten Grundlagen zum Klimawandel, führten Experimente durch und erklärten anhand konkreter, lokaler Beispiele, wie Desinformationen entstehen und wie man sie erkennen kann. Ergänzend dazu gab es einen geleiteten Workshop von den beiden Schülern Michel Ortmeier und Emma Johann, die den Projekttag organisiert hatten. In diesem führten die Teilnehmenden eigene Umfragen durch und setzten sich mit Einstellungen und Wissen rund um Klima und Medien auseinander.
Der Tag zeigte, dass ein von Schülern organisierter Projekttag funktionieren kann. Gleichzeitig machte genau diese feste Struktur sichtbar, wie viel Entwicklungspotenzial noch in der Idee steckte sowohl in der inhaltlichen Schwerpunktsetzung als auch in der Vielfalt der Formate und der Beteiligung weiterer Schülerinnen und Schüler.
Vom Versuch zur Vision
In diesem Jahr wurde aus dem ersten Versuch ein deutlich weiterentwickeltes Projekt. Statt des kleinen Organisationsteams, bestehend aus Michel und Emma mit etwas Hilfe der Schülervertretung, arbeitete nun eine sechsköpfige Projektgruppe zusammen. Darunter Michel Ortmeier, Sophio Laliashvili, Grace Charlotte Tavella und Emma Sophie Johann aus der zwölften, Lena Sophie Ludwig aus der zehnten und Luiz Eligius Edmund Stoellger aus der neunten Klasse. Die Leitung der Gruppe übernahm dabei Michel. Und schon jetzt haben sich weitere Interessierte gemeldet, die im nächsten Jahr mitwirken wollen. Genau darin liegt die wichtigste Veränderung: Der Klimaworkshop ist nicht mehr nur ein Projekt einzelner, sondern beginnt, sich als fortlaufende Initiative zu etablieren. Eine, die weitergegeben werden kann, von älteren an jüngere Jahrgänge.
Parallel dazu wurde auch das inhaltliche Konzept grundlegend überarbeitet.
In Folge der Nachbesprechung letztes Jahr stand schon früh fest, dass der diesjährige Projekttag stärker auf Eigenaktivität setzen sollte. Statt überwiegend festgelegter Workshopabfolgen sollte es mehr Wahlmöglichkeiten geben, mehr unterschiedliche Perspektiven und vor allem mehr Raum für die individuellen Interessen der Schüler. Der Klimatag sollte nicht nur informieren, sondern erlebbar machen, wie komplex, aber auch wie gestaltbar das Thema Klima ist. Außerdem wurde der Fokus voll auf das Thema Klimawandel gesetzt, wobei Fake News zwar ein Aspekt blieben, die Aufmerksamkeit jedoch vor allem auf die Frage gelenkt wurde, wie man selbst handeln kann.
Mehr Stimmen, mehr Perspektiven
Und dann wurde aus Planung schließlich Realität. Nach einem gemeinsamen Start um 07:30 Uhr in der Aula begann der Projekttag mit einem Grundlagenblock, in dem der Jahrgang klassenweise drei Kurzworkshops durchlief. Vier Referenten des Klimapakt Lippe, einem regionalen Netzwerk für Klimaschutz und Nachhaltigkeit, darunter Mobilitätsmanager Dennis Hetmann, Dr. Ingo Möller, Leiter der Klimaerlebniswelt Oerlinghausen, Nachhaltigkeitskoordinator Tobias Priß sowie FSJler und ehemaliger Schüler Joris Jüngling, vermittelten sowohl globale Klimaszenarien als auch konkrete Auswirkungen des Klimawandels in der Region Lippe. Ergänzt wurde dieser Teil durch einen Workshop des regionalen Försters Thomas Fritzemeier, der anschaulich erklärte, wie Trockenheit, Schädlingsbefall und veränderte Temperaturen die heimischen Wälder bereits heute verändern. Im anschließenden zweiten Teil des Tages stellten sich die Schülerinnen und Schüler ihr Programm selbst zusammen und wechselten im 30-Minuten-Takt zwischen verschiedenen Workshopangeboten aus den Bereichen Warum handeln? Wie ist Klimawandel lösbar? und Was kann ich selbst tun?
So leitete Markus Graumann, Lehrer an unserer Schule, in seinem Workshop „Grauzone? Debattenübung um Klima- und Umweltschutz“ eine Diskussionsübung zu Zielkonflikten zwischen Umwelt- und Klimaschutz. Gordana Rammert, Mitarbeiterin des Online-Magazins Volksverpetzer und erfahrene Workshopleiterin für Medien- und Klimathemen, stellte unter dem Thema „Green Solutions: Hoffnung durch Innovation“ internationale sowie ganz aktuelle, lokale Beispiele aus der Umgebung für erfolgreiche „Green Solutions“ vor. Lea Freff, ebenfalls Lehrerin unserer Schule, führte in dem Workshop „Kohle oder Klima?“ ein interaktives Planspiel durch, in dem die Teilnehmenden als Unternehmensleitung Entscheidungen zwischen Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz treffen mussten. Und Bernd Bartel machte als dritter interner Gast, in seinem Workshop „Virtuelles Wasser in Alltagsprodukten – vom Ei bis zum Auto“ zum „virtuellen Wasser“ sichtbar, wie viel Wasser in Alltagsprodukten steckt und wie eng Konsum, Ressourcenverbrauch und Klimawandel miteinander verbunden sind. Revierförster Thomas Fritzemeier erläuterte mit dem Thema „Zukunft des lippischen Waldes – ist er noch zu retten?“ praxisnah die Zukunft der lippischen Wälder und aktuelle Herausforderungen der Forstwirtschaft.
Auch Beiträge mit persönlichem Bezug waren Teil des Programms. Mit der Überschrift „Veränderung beginnt mit Dir - Warum wir vegan leben“ berichtete Sandra Brandt gemeinsam mit einem Schüler aus eigener Erfahrung über vegane Ernährung und deren Auswirkungen auf Klima und Ressourcenverbrauch. Die Workshops „Vom Gedanken zur Aktion – Wie aus einer Idee ein Klimaprojekt wird“ und „Abheben mit Folgen – Wie Reisen das Klima beeinflusst“ des Organisationsteams selbst gaben Einblicke in die Entstehung des Klimatags, zeigten Wege zu eigenem Engagement auf und thematisierten die Klimabilanz verschiedener Reiseformen.
Weitere Angebote des Klimapakt Lippe unter dem Titel „Klimawandel & Ich: Vom persönlichen CO2-Fußabdruck zur echten Initiative – Dein Plan für systemischen Wandel“ griffen die Rolle des persönlichen CO₂-Fußabdrucks sowie Möglichkeiten gesellschaftlichen Engagements auf. Ein anderer ursprünglich geplanter Workshop von Timo Broeker, Energieforscher an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, musste leider krankheitsbedingt entfallen. Doch mit insgesamt sechs Workshopphasen bis zum Mittag blieb der Ablauf dicht, abwechslungsreich und ermöglichte allen Achtklässlerinnen und Achtklässlern, mehrere fachliche Perspektiven sowie konkrete Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen.
Es geht um uns
Und am Ende liegt die eigentliche Bedeutung dieses Klimatags nicht nur in den Inhalten der einzelnen Workshops. Sondern darin, dass das Projekt selbst zum Beispiel für das wurde, was es vermitteln sollte. Der Tag soll zeigen, dass Engagement möglich ist. Dass Veränderung nicht Perfektion braucht, sondern Initiative. Dass Zusammenarbeit mehr bewirken kann als Einzelaktionen. Und genau das leben die Schülerinnen und Schüler durch die Organisation dieses Tages selbst vor. Aus einem Impuls wurde eine Idee gemacht, aus einer Idee ein Projekt und aus diesem Projekt eine wachsende und sich entwickelnde Initiative, die weitergetragen werden kann. Damit wurde er zu einem Erfahrungsraum dafür, wie Beteiligung funktioniert. Dass Veränderung Spaß machen kann. Wie Lernen über Unterricht hinausgeht. Und wie Schule zu einem Ort werden kann, an dem junge Menschen nicht nur über Verantwortung sprechen, sondern sie übernehmen. Und genau darin liegt die eigentliche Botschaft dieses Projekts.
Veränderung beginnt nicht irgendwo.
Sondern genau dort, wo jemand anfängt.
Unser großes Dankeschön für diesen gelungenen Tag gilt den beteiligten Experten, Lehrkräften, der Schulleitung, der großzügigen finanziellen Unterstützung des Fördervereins und natürlich auch allen weiteren helfenden Händen!

