Dieses Jahr feiert die Stadt Barntrup, seit 650 Jahren Stadtrecht zu besitzen – Grund genug, der Stadtgeschichte auf die Spur zu gehen. Direkt vor den Toren des Städtischen Gymnasiums südlich des Barntruper Stadtgebiets befindet sich die "Blutbuchenallee". Sie ist Naturdenkmal und Naherholungsraum, Teil der historischen Kulturlandschaft und zugleich ein Ort der Erinnerung.
Ihre Geschichte beginnt in den 1930er Jahren. Seitdem haben sich sowohl das Erscheinungsbild der Allee als auch der Blick auf ihre ursprüngliche Bedeutung verändert. Heute lädt die Blutbuchenallee dazu ein, Natur zu erleben, ihre Geschichte kennenzulernen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie wir mit historischen Orten und ihrer Vergangenheit umgehen.
Im Rahmen des Projektes „Grüne Infrastruktur in ländlichen Regionen“ wurde die Allee 2026 durch Nachpflanzungen ökologisch aufgewertet. Gleichzeitig entstand unter dem Motto „Wenn Bäume reden könnten“ gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der örtlichen Grundschule und des Gymnasiums ein Bildungsprojekt, das Natur und Geschichte miteinander verbindet.
Eine Allee mit besonderer Geschichte
Die Blutbuchenallee wurde nach einem Entwurf des Barntruper Textilfabrikanten Ernst Tintel in den Jahren 1935/1936, während der Zeit des Nationalsozialismus, angelegt. Am 12. Juli 1936 wurde die Anlage anlässlich des elfjährigen Bestehens der NSDAP-Ortsgruppe Barntrup als „Kriegerehrenmal“ eingeweiht. Die Zahl der Bäume war dabei bewusst gewählt: 106 Blutbuchen erinnerten an 106 Barntruper Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Am Ende der rund 800 Meter langen Anlage befand sich ein Steinkreuz mit einer Bronzetafel.
Die Gestaltung war jedoch nicht allein dem Gedenken gewidmet. Die Gefallenen wurden im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie als „Helden“ dargestellt und ihre angebliche Opferbereitschaft als Vorbild für die Ziele des NS-Staates instrumentalisiert. Zeitzeugen der 1930er Jahre deuteten die Baumreihe als eine „Schützenkette“ vor der Stadt; einzelne Bäume wurden bestimmten Gefallenen zugeordnet.
Herkunft und Wandel der Allee
Die mit Schülerinnen und Schülern des Q1/2-Geschichtskurses von Herrn Graumann erarbeiteten Tafeln und die zugehörige StoryMap beschäftigen sich mit der Entstehung und ursprünglichen Funktion sowie dem Deutungs-Wandel der Blutbuchenallee.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Allee ihre ursprüngliche Bedeutung. Das Kreuz wurde beschädigt bzw. zerstört und die Anlage zunehmend als Relikt der NS-Zeit wahrgenommen. In den folgenden Jahrzehnten wurde immer wieder darüber diskutiert, wie mit diesem historischen Ort umgegangen werden sollte. Gleichzeitig wandelte sich die Bedeutung der Blutbuchenallee. Sie wurde als Naturdenkmal ausgewiesen und entwickelte sich zu einem beliebten Naherholungsort.
Im Jahr 2026 wurden schließlich neue Blutbuchen gepflanzt. Ziel ist es, die Allee als Naturdenkmal zu erhalten und wieder die ursprüngliche Zahl von 106 Blutbuchen zu erreichen. Heute ist die Blutbuchenallee damit vieles zugleich: ein historischer Ort, ein Lebensraum, ein Bestandteil des Biotopverbundes und ein Ort für Spaziergänge und Erholung. Zugleich bietet sie die Möglichkeit, sich vor Ort mit der Geschichte Barntrups und dem Wandel der Erinnerung auseinanderzusetzen.
Wer die Blutbuchenallee besucht, begegnet deshalb nicht einfach nur einer eindrucksvollen Baumreihe.
Entlang des Weges erzählen die drei neu gestalteten Informationstafeln von ihrer Entstehung, ihrer wechselvollen Geschichte und den Blutbuchen selbst. Sie laden dazu ein, genauer hinzusehen und einen Ort kennenzulernen, an dem sich Natur und Geschichte Barntrups auf besondere Weise begegnen.

