Seit fast zwei Wochen bin ich nun schon in Turku, der ältesten Stadt Finnlands, gelegen an der Südwestküste. Ich lebe auf einer Schäre, 10 Minuten Fußweg vom Meer, nur zwanzig Minuten per Bus vom Stadtzentrum entfernt.
Direkt an meinem ersten Wochenende hier fand der „Turun Päivä“ statt, der „Tag Turkus“. Die ganze Stadt war auf den Beinen, denn es wimmelte nur so vor besonderen Aktionen. Meine Gastfamilie und ich haben ein Wettschwimmen von pinken Plastikenten mit Schweinsnase und Ringelschwänzchen beobachtet, die Poskanna genannt werden. Außerdem war der Eintritt in Museen an dem Tag frei. Das haben wir genutzt und sind ins Freilichtmuseum Luostarinmäki mit alten Häusern vor verschiedenen Bränden Turkus und ins archäologische Museum Aboa Vetus Ars Nova gegangen.
Ich habe mich hier schon sehr gut eingelebt. Turku ist sehr schön. Gepflasterte Straßen mit alten Häusern wechseln sich ab mit neueren Gebäuden und bilden einen vom samtig blauen Fluss Aurajoki durchzogenen Flickenteppich. Die Stadt ist mit sehr viel Grün besprenkelt. Es gibt Buchcafés, Brettspielecafés, eine große Bücherei und einen Marktplatz.
Ich habe auch schon verschiedene Gerichte und Snacks probiert. Karjalanpiirakkas sind sehr beliebt. Sie bestehen aus mit Reisbrei gefülltem Roggenteig und können sowohl als Snack als auch als Mahlzeit dienen. Auch Lachssuppe und schwedische Zimtbrötchen (Kanelbullar) haben sich als sehr lecker herausgestellt. Nach jeder Mahlzeit isst man hier Minzpastillen, um die Zähne zu reinigen. Das kannte ich so bisher nicht.
Meine Gastfamilie ist sehr nett. Wir spielen beinahe jeden Abend das kooperative Brettspiel „Bomb Busters“ gemeinsam und bisher ist auch noch keine Bombe explodiert. Ich habe bereits drei gewöhnliche Schultage miterlebt und vieles läuft hier ganz schön anders: das Schulessen ist gratis und der Unterricht beginnt erst um 8:30 Uhr. Das Schuljahr ist in 6 Perioden gegliedert, an deren Ende je eine Examenswoche stattfindet. Die letzte Woche war hier ebendiese Examenswoche und da ich erst ein paar Tage hier war, sollte ich die Klausuren noch nicht mitschreiben. Also hatte ich viel Zeit, die Stadt zu erkunden. Ich war bei einer hölzernen Kunstkapelle, im Botanischen Garten der Universität Turku und bei einem englischsprachigen Gottesdienst. Außerdem habe ich Karaoke gesungen, einen Geocache gefunden und dem Kino einen Besuch abgestattet.
Langsam hat der Herbst seinen Malkasten gezückt und färbt die Natur leuchtend gelb, flammend orange und blutrot. Noch sinkt die Sonne hier einige Minuten später als in Deutschland, aber ich in gespannt, wie meine Zeit hier in den nächsten Monaten ausschauen wird.





