Früh am Montagmorgen um 7:30 Uhr brachen wir auf. Nach etwa 4 Stunden inklusive einer Raststättenpause erreichten wir die Wartburg. Na ja, fast. Willi, unser Busfahrer, kutschierte uns bis zu einem schon recht hoch gelegenen Parkplatz. Von dort legten wir im Regen den restlichen Weg zur Burg zurück. Bis zu unserer Führung hatten wir noch einige freie Zeit, in der wir das Restaurant, den Museumsshop oder die äußeren Bereiche der Burg erkunden konnten.
Wir genossen dann einen geführten Rundgang und erfuhren u. a. viel über Martin Luther und seine Thesen und Abhandlungen bei einem Blick auf das berühmte „Lutherstübchen“, in dem die Bibel übersetzt wurde, samt Tintenklecks und einigen seiner Originalwerke. Danach ging es wieder den Berg hinunter und mit dem Bus weiter.
Gegen 16 Uhr trafen wir in Weimar ein und bezogen die Zimmer in der Jugendherberge „Germania“. Für die anderthalbstündige Stadtführung liefen wir zum Theaterplatz, auf dem ein Denkmal Goethes und Schillers thront. Wir teilten uns in zwei Gruppen und wurden an verschiedenen Punkten in der Innenstadt in das breite Spektrum geschichtlicher Ereignisse in Weimar eingeführt: von Herzogin Anna Amalia und Carl August über die Herren Goethe, Schiller, Wieland, Herder und Bach. Den weiteren lauen Sommerabend hatten wir zur freien Verfügung und diese Zeit wurde munter ausgekostet.
Der Dienstag brach mit einem verschlafenen Frühstück an. In den Gruppen wie zuvor besuchten wir das Goethe-Nationalmuseum mit Wohnhaus sowie Schillers Wohnhaus. Durch ersteres führte ein Audioguide, der viele Details über das Wirken des Dichters, Denkers und Dramatikers verriet. Schillers Anwesen wurde uns durch eine unterhaltsame Führung nähergebracht. Besonders durch die knatschenden Holzdielen, die Büsten, das Ursprungsmobiliar und die den echten Originalen nachempfunden Tapeten fühlte man sich in die Weimarer Klassik zurückversetzt.
Nach einer längeren Pause sammelten wir uns, um die Anna-Amalia-Bibliothek zu besichtigen. Nach einer Tour durch den neueren Teil der Bibliothek und das unterirdische Bücherdepot streiften wir uns Filzpantoffeln über, um den altehrwürdigen Raum zu betreten. Die prächtige Bibliothek entpuppte sich als eines der Highlights der Fahrt. Wir durften zwei sehr alte Bücher in die Hand nehmen und erfuhren, dass viele der Persönlichkeiten der zahlreichen Büsten im Raum im römischen oder griechischen Stil dargestellt worden waren, obgleich sie zu Lebzeiten andere Kleidung und Frisuren gehabt hatten. Da zur Zeit der Büstenanfertigung die griechische und die römische Kultur romantisiert wurden, empfand man sie diesen nach.
Der Bibliotheksbesuch mündete in einen Rundgang im Park an der Ilm. Hier sahen wir eine Sphinx, die auch aus dem Wiederbeleben der Antike resultierte, eine Quelle, eine sternförmige Sichtachse, Goethes Gartenhaus und andere bemerkenswerte Dinge. Es war ein unterhaltsamer Spaziergang. Den Abend konnten wir erneut individuell in Gruppen ausklingen lassen.
Früh nach dem Packen und Frühstücken brachen wir mittwochs auf. Einzig eine halbe Stunde trennte uns vom wohl ernsten und traurigsten Ziel unserer Reise: Wir besichtigten das einstige Konzentrationslager Buchenwald. Die heitere Stimmung verflüchtigte sich schnell. Zuerst schauten wir einen halbstündigen Film, in dem Zeitzeugen von ihrer Zeit in Buchenwald erzählten: Dass zu Beginn Flüchtige von Hunden zerfleischt wurden. Dass Hungernde einander wegen Kartoffelschalen töteten. Dass an Homosexuellen Experimente durchgeführt wurden. Dass Lagerärzte der SS Kranke per Injektion ermordeten, wenn sie annahmen, diese könnten nicht mehr effektiv arbeiten. Dass nahe dem KZ die Kommandanten wohnten, für deren Kinder eigens ein Tierpark errichtet wurde.
Nach dem erschütternden Film besichtigten wir das Lager: das Krematorium, den Folterkeller, das Erschießungsgebäude. Danach gingen wir in die Dauerausstellung über das KZ, die sehr eindrücklich war. Häftlingskleidung, alte Briefe, Lebensgeschichten, Hörmaterialien, Aufnahmen der Befreiung und vieles mehr boten einen Einblick in die Grausamkeiten der NS-Zeit und des Lagers.
Mit gedämpfter Stimmung stiegen wir wieder in den Bus und trafen nach einem Stopp bei McDonald's um 17 Uhr wieder in Barntrup ein, mit uns eine Kaskade neuer Eindrücke.



